WM-Fieber oder Wettfieber? Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen rät zu Vorsicht bei Sportwetten
„Große Sportereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft führen regelmäßig zu einem Anstieg der Wettaktivitäten. Besonders problematisch ist, dass Sportwetten oft als harmloser Teil des Fußballerlebnisses wahrgenommen werden. Tatsächlich gehören sie jedoch zu den Glücksspielangeboten mit erhöhtem Suchtpotenzial“, so Lea-Marie Gehrlein und Neela Schremmer (NLS), Landeskoordinatorinnen für Glücksspielsucht in Niedersachsen.
Junge Männer gelten dabei als besondere Risikogruppe. Glücksspielprobleme beginnen häufig bereits in jungen Jahren. 40 % der in den Jahren 2024 und 2025 ambulant beratenen Personen in Niedersachsen berichten, dass ihre Glücksspielstörung bereits vor dem 21. Lebensjahr begonnen habe.
Die Risiken von Sportwetten werden häufig unterschätzt. Neben der emotionalen Dynamik von Spielen, der ständigen Verfügbarkeit über digitale Angebote und der intensiven Werbeansprache ist besonders der gefühlte Kompetenzanteil von Bedeutung. Viele Wettende nehmen ihr Wissen über Mannschaften, Spieler oder Statistiken als eine Art „Kompetenzvorsprung“ wahr. Dieses Gefühl kann dazu führen, dass Zufall und Risiko bei Sportwetten unterschätzt werden. Trotz möglicher Vorkenntnisse bleiben Sportwetten letztlich vom Zufall abhängig.
Die gesellschaftliche Normalisierung trägt dazu bei, dass viele Menschen während großer Turniere erstmals mit Sportwetten in Kontakt kommen oder ihr Wettverhalten ausweiten.
Die Landeskoordinatorinnen für Glücksspielsucht empfehlen daher:
• Sportwetten nicht als Teil des Fußballfiebers, sondern als Glücksspiel mit realen Risiken betrachten.
• Vorab feste finanzielle Grenzen festlegen und konsequent einhalten.
• Verluste nicht durch weitere Wetten ausgleichen.
• Auf Warnsignale wie Kontrollverlust, steigende Einsätze oder Konflikte im persönlichen Umfeld achten.
Wer feststellt, dass Sportwetten zunehmend Zeit, Gedanken oder Geld bestimmen, sollte frühzeitig Unterstützung suchen. Die niedersächsischen Fachkräfte für Glücksspielsuchtberatung beraten kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Die Kontaktdaten finden sich hier: www.nls-gluecksspielsucht.de
Weitere Informationen
Die NLS ist in der Trägerschaft der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e. V. (LAG FW).
In der LAG FW sind die sechs niedersächsischen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege zusammengeschlossen: Dies sind Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Jüdische Wohlfahrt. Damit repräsentiert die LAG FW über 8 000 soziale Einrichtungen, Beratungsstellen und Dienste mit mehr als 300 000 hauptamtlich Beschäftigten und über 500 000 ehrenamtlichen Helfer*innen.
Quelle: Pressemitteilung der LAG der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e. V.