Sportwetten: „Es ist schwer, zu sagen, ‚Da mach ich nicht mit‘“
Beratung bietet Wege aus der Glücksspielsucht durch Tippwetten
Die Versuchung ist groß, denn „Sportwetten sind anders als Glücksspiele gesellschaftlich voll akzeptiert“, berichtet Quast mit Blick auf die größte Gruppe der Betroffenen. „Es sind vornehmlich Männer zwischen 25 und 35 Jahren in Festanstellung, deren Schufa-Eintrag sauber ist und der soviel spielen kann, wie er will.“
So kämen schnell große Summen zusammen. „Und viele derjenigen, die Wetten eingehen, sehen sich selbst als Experten auf dem Gebiet an, wobei als Einstieg häufig Mannschaftswetten im Verein oder im Büro dienen“, weiß Silke Quast aus ihrer Beratungen. Durch die gemeinschaftliche Aktion entstehe auch ein gewisser sozialer Druck – da sei es auch schwer zu sagen ‚Ich mache nicht mit‘.
Befeuert wird das Wetten von den großen Tippanbieter selbst, die inzwischen als Sponsoren der Bundesliga auftreten und geben dieser Art von Glücksspiel dadurch einen Anstrich von Normalität und Seriosität. Und es kann lange dauern, bis erkannt wird, dass aus dem gelegentlichen Wetten eine Sucht geworden ist und die angehäuften Schulden nicht mehr zu bewältigen sind. „Das liegt daran, dass die Banken bei einer Festanstellung lange Kredit gewähren. Hinzu kommt, dass das Spielen zum Habitus dazugehört und es für die Betroffenen oft sehr schwer ist, sich die Tatsache, glücksspielsüchtig zu sein, einzugestehen“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Diese Art der Sucht kann mit dem Fremdgehen verglichen werden. Und im Grunde ist es irgendwann wie ein Vollzeitjob, man ist die ganze Zeit damit beschäftigt, Gelder hin- und herzuschieben. Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, drohen Familien zu zerbrechen.“ Wer in die Beratung kommt, habe oft einen Schuldenberg von 30.000 bis 150.000 Euro, ergänzt sie. „Und die Abbrecherquote ist hoch, da viele sehr ungeduldig sind. In der Beratung seien die Angehörigen immer mit im Boot, betont Quast.
„Wichtig sind hier Offenheit und Konsequenz, denn wenn man aus Loyalität den Partner zu sehr unterstützt, hält man die Sucht mit am Laufen. Angehörige sollten sich fragen, ‚was bin ich bereit zu leisten, was kann ich aushalten?‘. Es ist sehr fruchtbar, wenn man zu dritt zusammen sitzt, das verstärkt den Erkenntnisprozess und viele fragen sich dann: ‚Was habe ich meinem Lieblingsmenschen nur angetan?‘ Doch wer sich wirklich mit seiner Sucht auseinandersetzt, hat gute Chancen, sie loszuwerden!“
Text: Sonja Steiner, Bild: pixabay.com