Zeit schenken – Besuchsdienste als Lichtblick gegen Einsamkeit
Jede vierte Person über 65 Jahren in Deutschland fühlt sich einsam. Oft beginnt dieser Prozess schleichend, beispielsweise mit dem Verlust des Partners, gesundheitlichen Einschränkungen oder einem Umzug ins Pflegeheim. Am Ende steht nicht selten ein Rückzug aus dem sozialen Leben. Doch es gibt Wege zurück in die Gesellschaft und Menschen, die dabei helfen.
Karin Bläsing vom Diakonischen Werk Hannover kennt viele dieser Geschichten. Seit über 35 Jahren leitet sie den Partner-Besuchsdienst, den größten ehrenamtlichen Besuchsdienst in der Stadt Hannover, der auch Kontakte in Pflegeeinrichtungen vermittelt. Ziel ist es, einsamen älteren Menschen Lichtblicke in ihrem Alltag zu schenken und das mit Zeit, Verständnis und Zuwendung.
So berichtet Karin Bläsing von einem über 90-jährigen Mann, der nach dem Tod seiner Frau in ein Pflegeheim zog, mit erheblicher Seh-Beeinträchtigung und ohne Angehörige. Durch eine aufmerksame Pflegekraft kam der Kontakt zur Diakonie Hannover zustande. Karin Bläsing konnte eine ehrenamtliche Person vermitteln, die nun bereits seit über zwei Jahren regelmäßig den Besuchsdienst wahrnimmt. „Am Anfang lag er still im Bett, tief in sich zurückgezogen“, erinnert sich Karin Bläsing. „Heute sitzt er mit seiner Begleiterin im Garten, erzählt, lacht, hört Musik. Man sieht, dass er wieder am Leben teilnimmt.“
Ein anderes Beispiel: Ein 70-jähriger Mann fiel nach einer Trennung in eine tiefe Depression. Sein Wunsch war simpel: Jemanden zu haben, der ihn bei Spaziergängen begleitet. Heute trifft er sich jeden Samstag mit seinem ehrenamtlichen Besucher zu einem festen, freudigen Ritual, das ihm Struktur und Halt gibt.
Diese Begegnungen stehen exemplarisch für eine stille Krise in unserer Gesellschaft: Einsamkeit im Alter. Mehr als 25 % der Menschen über 65 Jahre leiden unter Isolation, fehlender Ansprache und sozialer Entwurzelung. Die Gründe sind vielfältig: Verlust des sozialen Umfeldes, eingeschränkte Mobilität, gesundheitliche Probleme oder ein neues Wohnumfeld.
Der Partner-Besuchsdienst des Diakonischen Werks Hannover setzt genau hier an. Circa 160 Ehrenamtliche besuchen rund 200 ältere Menschen. „Die Säulen unseres Besuchsdienstes sind Vertrauen, Verlässlichkeit und Verständnis“, sagt Karin Bläsing, „Manche Menschen brauchen Zeit, sich zu öffnen. Andere suchen einfach Gesellschaft für einen Spaziergang. Wichtig ist, dass die Chemie stimmt. Dafür sorgen wir mit viel Erfahrung.“
Was viele nicht wissen: Auch die Ehrenamtlichen profitieren. Manche sind selbst von Einsamkeit betroffen und finden im Engagement nicht nur eine sinnvolle Aufgabe, sondern auch neue soziale Kontakte und persönlichen Rückhalt. Karin Bläsing sieht in ihrer Arbeit eine gesellschaftliche Aufgabe: „Wer einsame Menschen im Umfeld bemerkt, sollte sich trauen, nachzufragen. Einsamkeit ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Aber sie nimmt zu und das nicht nur bei Älteren, sondern quer durch alle Altersgruppen.“
Ihr Appell an die Gesellschaft: „Einsamkeit muss sichtbarer werden. Strukturen wie der Partner-Besuchsdienst gelingen langfristig nur mit Unterstützung durch Kirche, Stadt und Politik. Der demografische Wandel stellt uns vor große Herausforderungen. Doch Einsamkeit muss keine Einbahnstraße sein.“
Mitmachen und Leben verändern: Wer zuverlässig ist und über ein gesundes Maß an Einfühlungsvermögen und Geduld verfügt, kann sich beim Partner-Besuchsdienst engagieren. Nach einem persönlichen Gespräch erfolgt eine sorgfältige Vermittlung an eine passende ältere Person. Die Ehrenamtlichen erhalten Beratung, Versicherungsschutz und eine Aufwandsentschädigung.
Weitere Informationen: Der Partner-Besuchsdienst ist Teil von „Gesundheit und Gemeinschaft auf Rezept“, einem neuen Projekt gegen Einsamkeit von der Landeshauptstadt Hannover, dem Seniorenbeirat und dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband Niedersachsen für ältere Menschen.
Kontakt:
Karin Bläsing
Dipl. Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin
Tel.: 0511 3687 164
E-Mail: karin.blaesing@t-online.de
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